Marktbericht 2017

Rückblick

Das Jahr 2017 war trotz einer Vielzahl politischer Ereignisse (u.a. mit den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland sowie dem ersten Amtsjahr von US-Präsident Trump) durch eine ungewöhnlich niedrige Schwankungsbreite an den Kapitalmärkten gekennzeichnet und brachte an fast allen Aktienmärkten sehr erfreuliche Ergebnisse.

Ebenso ließen sich am Rentenmarkt unterhalb der Top-Bonitäten bei fundierter Analyse noch vergleichsweise gute Renditen erzielen.

Die Freude über das stattliche Plus an den Börsen schmälerte allerdings für heimische Investoren der feste Euro, der nicht nur gegenüber dem US-Dollar um über 14 Prozent an Wert gewann, sondern auch gegenüber anderen Währungen deutlich zulegte. Abzulesen ist diese Entwicklung auch am MSCI Weltindex, der um 19 Prozent zulegen konnte, in Euro jedoch „nur“ einen Zuwachs von 5 Prozent brachte. Erstaunlich ist die Entwicklung der europäischen Einheitswährung auch deshalb, da noch zum Jahresbeginn 2017 die Mehrzahl der Analysten mit einem weiter schwachen Euro gerechnet hatte und diesen im Laufe des Jahres pari zum US-Dollar bzw. sogar darunter fallen sah.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen; Stand 31.06.2017

Angetrieben wurden die Börsen zum einen von einem erstaunlich robusten Wirtschaftswachstum, das erstmals seit 2005 in allen drei großen Wirtschaftsblöcken (Europa, USA und Südostasien) positive Wachstumsraten brachte und so insgesamt die Weltwirtschaft um 3,5 Prozent wachsen ließ. Weiterhin waren dabei die bevölkerungsreichen Länder Indien und China mit Zuwachsraten von über 6 Prozent die wesentlichen Treiber dieser Entwicklung. Das globale Wachstum fand sich natürlich auch in den positiven Bilanzen der Unternehmen wieder.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen; Stand 31.06.2017

Zweiter Kurstreiber für die Börsen war die weiterhin lockere Geldpolitik der großen Notenbanken. Zwar erhöhte die amerikanische Notenbank FED in 2017 dreimal den Leitzins, liegt aber mit 1,25 Prozent immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die europäische Zentralbank EZB dagegen ließ den Leitzins weiter bei Null Prozent. Lediglich das Anleihekaufprogramm wird aufgrund der nun auch in Europa positiven Konjunkturentwicklung ab Januar 2018 von 60 Mrd. Euro pro Monat auf 30 Mrd. Euro reduziert. Dennoch werden durch die Verlängerung bis September 2018 der Wirtschaft weitere 270 Mrd. Euro neues Geld zugeführt. Die positiven Entwicklungen an den Kapitalmärkten stehen jedoch komplett im Schatten der Wertsteigerung bei den Kryptowährungen. So stieg allein die nur im Internet handelbare Währung Bitcoin um sagenhafte 1.200! Prozent. Experten und Notenbanken sehen diese Entwicklung mit großem Staunen aber auch mit der Sorge, dass es bei einem Zusammenbruch zu Turbulenzen auch an den übrigen Kapitalmärkten kommen könnte. Für Investorenlegende Warren Buffet ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Zusammenbruch erfolgen wird.

Ausblick

Zunächst gehen wir trotz des hohen Kursniveaus von weiterhin positiven Aktienmärkten aus. Das weltweite Wirtschaftswachstum soll den Prognosen zufolge mit 3,6 Prozent sogar nochmal über dem hohen Niveau von 2017 liegen und brächte damit die größte Steigerung seit 2011. Dies wird sich auch in positiven Unternehmenszahlen niederschlagen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV liegt zwar in den USA mit geschätzten 18 für 2018 etwas über dem langfristigen Durchschnitt von 15, dafür ist aber auch das Wirtschaftswachstum erfreulich hoch. Zudem sind die Aktienmärkte in Europa und Südostasien deutlich niedriger bewertet. Die weiterhin niedrigen Zinsen (die US-Notenbank plant für 2018 zwei weitere Zinserhöhungen um insgesamt 0,5 Prozent, die EZB wird frühestens 2019 mit einer Zinserhöhung beginnen) sollten die relative Attraktivität des Aktienmarktes weiter bestätigen. Lediglich wenn es zu einer stärkeren Erhöhung der Inflation kommt, die bereits 2017 in Deutschland wieder auf 1,7 Prozent gestiegen ist (2016 noch bei 0,5 Prozent, 2015 bei 0,3 Prozent), könnte sich der Druck auf die Notenbanken erhöhen und damit zum Problem für die Aktienmärkte werden. Die Notenbanksitzungen sorgen daher weiterhin für großes Interesse.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen; Stand 31.06.2017

Im Dezember wurde zudem in den USA die umfangreichste Steuerreform seit den 80er Jahren beschlossen.Bei vielen Firmen, nicht nur in den USA, dürfte das für steigende Gewinne sorgen.

Neben den geopolitischen Risiken in Nordkorea und dem Nahen Osten wird auch die Wahl in Italien am 4. März zu beachten sein. Wenn sich die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppo Grillo durchsetzen sollte, könnten die Probleme in der EU schnell wieder aufflammen. Bisher sorgt allerdings eher der feste Euro für steigende Besorgnis, da dadurch insbesondere die exportlastige deutsche Wirtschaft langsam an Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Ein weiteres Risiko sehen wir in der stark kreditfinanzierten chinesischen Immobilien- und Infrastrukturblase. Sollten die Probleme von Anfang 2015, als man die chinesische Wirtschaft schon in großen Schwierigkeiten sah, wieder auftreten, hätte dies weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft.

Trotz aller Risiken erwarten wir aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums zunächst weiter steigende Aktienmärkte, eine Übertreibung oder gar Euphorie sehen wir noch nicht. Zumal es auch vom Rentenmarkt zu weiteren Umschichtungen in die Aktienmärkte kommen könnte. Grund ist insbesondere die steigende Inflation, die bei Raten von 0,5 Prozent in 2016 noch positive Realzinsen ermöglichte. 2017 war dies bei 1,7 Prozent durch Rentenanlagen schon nicht mehr möglich und 2018 wird das noch schwerer werden. Dies könnte für Investoren ein weiterer Grund sein in attraktiv bewertete Dividendenpapiere umzusteigen. Immerhin bieten diese im Durchschnitt eine Rendite von 2,5 Prozent (bezogen auf den DAX-Index) bis über 3 Prozent (EuroStosxx50).

Am Rentenmarkt wird es dabei immer schwieriger positive Rendite zu erzielen. Nur durch den Einsatz bonitätsschwacher Anleihen (die wir ebenso wie Aktieninvestments umfassend analysieren) und der Beimischung von speziellen Investmentfonds ist hier noch eine halbwegs zufriedenstellende Rendite möglich.

nach oben