Marktbericht 2018

Marktbericht Q2/2018

 

Nachdem das erste Quartal an den internationalen Finanzmärkten noch hohe Verluste gebracht hat (der Deutsche Aktienindex DAX verlor bis zum 31.3. ca. 7 % an Wert auf 12.100 Punkte), gab es in den „Dividendenmonaten“ April und Mai deutliche Kurserholungen. So stieg der DAX bis Anfang Juni wieder über 13.200 Punkte. Infolge der Handelsstreitigkeiten mit den USA verlor der DAX seine Gewinne in den letzten zwei Wochen des Berichtszeitraums fast wieder komplett und schloss am 30.06.2018 bei 12.300 Punkten.

Verantwortlich für die Kurserholung sind weltweit fundamental positive Konjunkturdaten, welche ein weiteres solides Wirtschaftswachstum signalisieren.  Dabei profitiert insbesondere die US-Wirtschaft mit Wachstumsraten von 4% von der endlich umgesetzten US-Steuerreform. Dagegen hat sich in der Eurozone das Wirtschaftswachstum bei 2% eingependelt. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zuletzt fünfmal in Folge gefallen, bleibt aber immer noch auf einem hohen Niveau. Für den zurückgehenden Optimismus bei deutschen Unternehmern sind sowohl die teilweise umgesetzten Handelszölle von US-Präsident Trump auf Stahl und Aluminium verantwortlich als auch die angedrohten Zölle auf die deutsche Autoindustrie. Zudem besteht das Risiko einer größeren Eskalation im internationalen Handelskonflikt zwischen den USA und China, deren Folgen nicht absehbar sind. Ein aufkeimender globaler Protektionismus würde die exportlastige deutsche Wirtschaft sicherlich schwer treffen.

Insgesamt sind die Probleme in der Eurozone größer als in den USA: Der offene Brexit, die neue eurokritische Regierung in Italien, die ungelöste Flüchtlingskrise und die nur schleppenden Strukturreformen rütteln wieder verstärkt am Fundament der Europäischen Union. Daher ist es verständlich, dass die Europäische Zentralbank nur zögerlich ihre expansive Zinspolitik verändern will. Zwar läuft zum Jahresende das Anleihekaufprogramm aus, dafür hat EZB-Chef Draghi gleichzeitig verkündet, dass mindestens bis zum Sommer 2019 die Zinsen bei null bzw. niedriger (Einlagensatz der Banken) bleiben werden. Ganz anders sieht die Situation in den USA aus, wo der neue Fed-Chef Jerome Powell im Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr den Leitzins auf eine Spanne von 1,75 - 2,0% erhöht hat. Am Markt wird aktuell mit zwei weiteren Leitzinserhöhungen in diesem Jahr durch die FED gerechnet.

Aufgrund der weiterhin moderaten Bewertung und des niedrigen Zinsniveaus gehen wir im zweiten Halbjahr von wieder steigenden Aktienkursen aus. Für die europäischen Börsen spricht zudem die Schwäche des Euro zum US-Dollar, der im 1.Halbjahr mehr als drei Cent gegenüber der amerikanischen Leitwährung verloren hat. Dies hilft insbesondere der exportlastigen deutschen Wirtschaft. Hauptrisikofaktoren sind die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump, der im Hinblick auf die im November anstehenden Parlamentswahlen den Handelskonflikt weiter ausdehnen könnte. Zudem plant die neue italienische Regierung aus Lega und Fünf Sterne nach den Parlamentsferien im September über 100 Mrd. Euro neue Schulden. Mit ihrer Haushaltspolitik wird die neue Regierung zweifellos in Konflikt mit der von der Europäischen Union geforderten Haushaltskonsolidierung geraten.

Rentenmarkt

Die europäischen Rentenmärkte haben sich im 2. Quartal sehr unterschiedlich entwickelt. Während die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen um ca. 1,3% zulegen konnten, sind die Staatsanleihen in der gesamten Eurozone sogar leicht gefallen. Grund ist die Regierungsbildung in Italien, wo mit der Lega und Fünf Sterne zukünftig zwei populistische Parteien regieren werden. Da diese umfangreiche Ausgaben planen um ihre Wahlversprechen umzusetzen, machen sich die Investoren Sorgen um die Solvenz Italiens. Deren Risikoaufschläge stiegen daraufhin deutlich. EZB-Chef Draghi äußerte auf der letzten EZB-Sitzung seine Sorgen, dass der schwelende Handelsstreit mit den USA ernsthafte Folgen für die europäische Wirtschaft haben könnte. Die Geldpolitik der EZB wird daher auch in den kommenden Monaten eher expansiv mit entsprechend niedrigem Zins bleiben. Im Gegensatz zu Europa wächst die Wirtschaft in den USA mit 4% sehr stark und auch das Inflationsziel von 2% ist nahezu erreicht. Nach der Zinserhöhung im Juni erwarten wir mindestens eine weitere Erhöhung im laufenden Jahr. Dies sollte auch weiteren Aufwertungsdruck für den US-Dollar im Vergleich zum Euro bedeuten. Da amerikanische Anleihen mit guter Bonität wieder attraktive Renditen bieten, ist eine Investition in selbige sicherlich eine Überlegung wert.

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