Marktbericht 2018

Marktbericht Q3/2018

Aktienmarkt

Das dritte Quartal ergab an den Aktienmärkten insgesamt ein gemischtes Bild. Dabei entwickelten sich die Börsen weltweit sehr unterschiedlich. So stiegen die US-Indizes sogar über ihre im Januar erreichten Höchststände. Positiv für den amerikanischen Markt waren zum einen die guten Unternehmens- und Konjunkturdaten und zum anderen die sehr hohen Aktienrückkaufprogramme. Insbesondere die in den Indizes sehr hoch gewichteten Technologiewerte konnten weiter deutlich zulegen. So erreichten mit Apple und anschließend Amazon zum ersten Mal in der Börsengeschichte Unternehmen eine Marktkapitalisierung von über 1 Billion USD! In Zeiten der Digitalisierung sind diese Unternehmen sicherlich nicht mit den herkömmlichen Kennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis zu bewerten. Ein Vergleich mit den Auswüchsen am Neuen Markt zum Anfang des Jahrhunderts scheint daher nicht gerechtfertigt.

In Europa konnten sich die Aktienmärkte dieser positiven Entwicklung nicht anschließen und sowohl der DAX als auch der EuroStoxx notierten deutlich im Minus. Dabei belastete auch der weiterhin ungelöste Brexit das Marktgeschehen. Bis Ende März nächsten Jahres soll hier eine Lösung gefunden werden, andernfalls droht ein „harter Brexit“ ohne ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU. Dies könnte zu starken wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Zudem belastete der Haushaltsentwurf der neuen italienischen Regierung die Kapitalmärkte. So liegt die geplante Neuverschuldung mit 2,4% des Bruttoinlandsproduktes deutlich über den Vorgaben der EU-Kommission. Infolge dieses Budgetentwurfs stiegen die Renditen italienischen Staatsanleihen bis auf 3,5 % an und liegen damit deutlich höher als entsprechende deutsche Staatsanleihen mit ca. 0,5%. Damit verschärft die politische Situation in Italien auch das Dilemma der Europäischen Zentralbank: Zwar will diese zum Jahresende das Anleihekaufprogramm auslaufen lassen, dennoch liegt der Einlagensatz der Banken immer noch bei minus 0,4%, während die Inflationsrate in der Eurozone wieder 2 % erreicht hat. Zunehmend wird damit deutlich, dass die EZB als letzte Stütze der Eurozone gefangen ist und keinen leichten Weg zur geldpolitischen Normalisierung vor sich hat. Dagegen ist die US-Notenbank in ihrer Geldpolitik schon deutlich weiter und hat im September den Leitzins auf 2-2,25% angehoben. Die besorgte Frage stellt sich, welche Möglichkeiten die EZB eigentlich noch hat, wenn die weltweit gut laufende Konjunktur sich wieder abschwächen sollte bzw. sogar eine Rezession droht?

Des Weiteren wurden besonders die Emerging Markets im dritten Quartal in Mitleidenschaft gezogen. Zusätzlich zu dem schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China, sorgt die zunehmende Dollarstärke für Schwierigkeiten in Schwellenländern mit entsprechend hoher Dollarverschuldung. In Verbindung mit schlechter Wirtschaftspolitik wie bspw. in Argentinien oder der Türkei, führte dies zu hohem Abwertungsdruck bei den betroffenen Währungen gegenüber dem Dollar. Chart 2 zeigt die zunehmende Divergenz zwischen den Börsen der Industriestaaten und den Schwellenländern im Jahr 2018.

Für das vierte Quartal sind wir zwar grundsätzlich positiv, können uns aber bis zu den Kongresswahlen am 6. November aufgrund der zuvor beschriebenen politischen Unsicherheiten stark schwankende Aktienkurse vorstellen. Anschließend erwarten wir aufgrund des positiven Saisonzyklus (in der Vergangenheit stiegen zwischen November und April die Aktienkurse oft am stärksten) wieder steigende Aktienkurse. Weiterhin läuft die Konjunktur weltweit gut und es bestehen keine Überbewertungen an den Aktienmärkten. Die Politik der Notenbanken sollte moderat expansiv bleiben, in Europa erwarten wir frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 eine erste leichte Zinserhöhung. Interessant ist auch, dass seit 1950 in allen Fällen nach den Kongresswahlen (insgesamt 18 Mal) die US-Aktienkurse sechs Monate später höher notierten, im Schnitt sogar um 15%. Sollten sich die aktuellen, überwiegend politischen, Probleme teilweise auflösen, könnten die Marktteilnehmer ihre aktuelle Zurückhaltung schnell aufgeben und zu einer Jahresendrallye übergehen.

Rentenmärkte

Die europäischen Rentenmärkte erlitten im dritten Quartal Kursverluste. Dabei stieg die zehnjährige Bundesanleihe von 0,3 auf knapp 0,5%. Wie schon zuvor erwähnt, haben jedoch insbesondere italienische Staatsanleihen aufgrund der höher geplanten Neuverschuldung deutlich stärker verloren. Die im vierten Quartal wohl weiter steigenden Renditen zwingen die italienische Regierung über kurz oder lang zu einer Entscheidung. Entweder das Land verlässt die Eurozone oder findet mit der EU-Kommission einen Kompromiss für die geplante Neuverschuldung. Man darf dabei gespannt sein, wie weit die EU-Kommission Italien dabei entgegenkommt.


Anders sieht die Situation am amerikanischen Rentenmarkt aus. Nach bereits drei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr liegt der dortige Leitzins bei 2-2,25% und mit zehnjährigen Staatsanleihen sind inzwischen wieder attraktive Renditen zu erzielen. Da durch die Probleme im Euroraum auch der US-Dollar wieder fester werden könnte, mischen wir US-Dollar-Anleihen den von uns verwalteten Depots bei.

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