Marktbericht 2020

Marktbericht - Q1 2020

Rückblick Q1 2020

Das erste Quartal des Börsenjahres 2020 wurde durch die Rückkehr des schwarzen Schwans bestimmt, diesmal in Form des Coronavirus. Spätestens jetzt ist dieser von dem Ökonomen Nassim Taleb im Jahr 2007 geprägte Begriff eines höchst unwahrscheinlichen Ereignisses mit extremen Konsequenzen in aller Munde. Nachdem es im Dezember 2019 erste menschliche Erkrankungsfälle auf dem Großmarkt in Wuhan gab und die chinesische Administration das Problem noch Anfang des Jahres gegenüber der Öffentlichkeit als Falschmeldungen herunterspielte, wurde Wuhan mitsamt der Provinz Hubei noch Ende Januar vollständig abgeriegelt. Die Aktienmärkte der Industriestaaten ignorierten die schlechten Nachrichten aus China bis Mitte Februar, da derartige Infektionskrankheiten auf dem chinesischen Festland in der Vergangenheit eingedämmt wurden. Durch die merkliche Verschlechterung der Fallzahlen in Europa und speziell Italiens im Laufe des Februars wandelte sich die Stimmung an den Börsen dann vollständig. Mit den Shutdowns ganzer Volkswirtschaften weltweit wurde schnell klar, dass der Markt nun gedanklich nicht mehr um die Frage einer globalen Rezession kreist, sondern wie lang und tief diese ausfällt. Entsprechend stürzten die Aktienmärkte zeitweise deutlich über 20% ab und beendeten damit technisch gesehen den langanhaltenden Bullenmarkt seit der Finanzkrise.

Einen zweiten Schock gab es am Ölmarkt: Saudi-Arabien kündigte wegen eines Streits innerhalb der OPEC und mit Russland überraschend eine Ausweitung der Ölproduktion an. Diese Erhöhung des Ölangebots bei gleichzeitig einbrechender realwirtschaftlicher Nachfrage ließ den Ölpreis um mehr als 60% abrutschen. Kurzfristig bedeutet ein derartiger Absturz Turbulenzen für Aktienmärkte wie der US-Börse, da die Ölkonzerne und ihre zugehörige Industrie ein wichtiger Gewinnbringer sind. Erst in der mittleren Frist profitieren die Börsen von niedrigen Ölpreisen, da die Unternehmen außerhalb der Ölindustrie signifikant niedrigere Energiekosten haben..

Diese sich täglich ändernde Gemengelage an neuen Informationen und Entwicklungen bedeutete für die Börsen vor allem Unsicherheit. Diese Unsicherheit ließ die Volatilität im März sprunghaft über das Niveau der Finanzkrise ansteigen (siehe Chart 2). Ein VDAX Stand von über 80 Punkten impliziert wohlgemerkt eine tägliche Schwankungsbreite des DAX von 5% (im Extremfall gar bis 10%). Entsprechend sind derartige Extreme bei Volatilitätsindizes von kurzer Dauer, was aber leider keine Entwarnung bezüglich der Dauer eines Bärenmarkts darstellt.

Auch die Geldpolitik hat angesichts der wirtschaftlichen Extremlage rasch reagiert. Die amerikanische FED senkte in zwei Sitzungen innerhalb von zwei Wochen den Leitzins auf das Band von 0 bis 0,25% (vorher 1,25 bis 1,5%) und kündigte den Kauf von US-Staatsanleihen an.
Wohl beispiellos in der europäischen Geldpolitik ist das von der EZB aufgelegte Notfallprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Progamme). Im Rahmen dieser Maßnahme werden 750 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen investiert. Diese Summe ist dabei keinesfalls fix, bei Bedarf wird die EZB laut eigenen Äußerungen aufstocken. Zudem kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, die selbst auferlegten Beschränkungen flexibel zu handhaben, um die Eurozone zusammenzuhalten. Beispielsweise durfte die EZB bislang Staatsanleihen nur analog zum Kapitalschlüssel ihrer Mitgliedsstaaten kaufen. Bereits im März 2020 entfielen 35% aller Staatsanleihenkäufe auf Italien und somit mehr als regulär vorgesehen.

Nach Mario Draghi ist nun also auch Christine Lagarde auf dem Pfad des „Whatever it takes“ und öffnet die Schleusen der Geldpolitik zur Bekämpfung der Krise. Für die Realwirtschaft ist jede Unterstützung bitter nötig: Die Prognosen für den deutschen Wirtschaftseinbruch liegen zwischen -4,5% und -9% gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: im Zuge der Finanzkrise 2009 ist die deutsche Wirtschaftsleistung um -5,7% abgerutscht.

Auch in den USA verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage im ersten Quartal zusehends. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Anstieg der Arbeitslosenrate auf bis zu 15% im Laufe des Jahres aus, weshalb die US-Regierung ein eigenes gigantisches Hilfspaket in Höhe von zwei Billionen US-Dollar aufgelegt hat. Die von monetären und fiskalischen Maßnahmen flankierte Weltwirtschaft ist somit vor allem von der weiteren Entwicklung des Coronavirus abhängig. Der Shutdown in vielen Staaten zeigt eindrücklich die Folgen unterbrochener Lieferketten in einer globalisierten Wirtschaft. Es bleibt abzuwarten, ob Unternehmen und Staaten nach überstandener Rezession strategisch wichtige Produktion tatsächlich wieder in die Heimatregion zurückverlagern. Die Folgen einer solchen Deglobalisierung wären aus Sicht der Emerging Markets sicherlich dramatisch.

Chart 3 vergleicht die Entwicklung des S&P 500 in diesem Jahre bis zum 07. April mit der Performance des S&P 500 in der Finanzkrise. Die Grafik zeigt sowohl den deutlich schnelleren Abrutsch des Aktienmarkts durch Corona als auch die Gefahr von folgenden Zwischenerholungen für den Anleger. Ein derart ereignisgetriebener Bärenmarkt dauerte am Beispiel des S&P 500 in der Börsenhistorie durchschnittlich neun Monate. Entsprechend vorsichtig muss sich der Investor im aktuellen Umfeld verhalten.

Dies gilt vor allem auch hinsichtlich der Bewertungen der Aktienmärkte. Chart 4 zeigt beispielhaft die Entwicklung des DAX und dessen Kurs-Gewinn Verhältnis auf:

Klar zu erkennen ist die scharfe bewertungstechnische Korrektur im ersten Quartal 2020, wobei diese nicht in dem Ausmaß wie zu Zeiten der Finanzkrise stattfand. Aus der Bewertungsperspektive lag der Tiefpunkt in 2008 bei einem KGV von fast 8, 2011 im Rahmen der Eurokrise kurzzeitig sogar leicht unter 8 während sich der DAX im Zuge der Coronakrise noch deutlich über dem zehnfachen Kurs-Gewinn Verhältnis halten konnte. Es wird sich zeigen, wie schnell die Börse die Auswirkungen der Krise ad acta legt.

Auch im Rentenbereich stieg die Volatilität stark an und die Verunsicherung sorgte für teils heftige Kursverluste. Ein Blick auf Chart 5 zeigt den dramatischen Anstieg der Fälligkeitsrenditen für High Yield Anleihen von 6% im Februar 2020 auf teilweise über 11%. Krisenbedingt suchen viele Investoren Sicherheit und investieren ihr Kapital entsprechend in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen höchster Bonität. Die Renditen derartiger Investment Grade-Anleihen zeigen in Grafik 5 deshalb keine derartig extreme Reaktion, denn im Gegenteil sinken die Renditen durch die Kurssteigerungen bei Staatsanleihen. Durch die zunehmenden Interventionen der Zentralbanken am Markt für Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit gutem Rating ist der Trend der Renditen bei diesen Anleihen bereits seit der Finanzkrise negativ. Dies ist für die Aktienmärkte technisch positiv, da die erwarteten Dividendenrenditen gerade langfristig deutlich über dem Renditeniveau hochsicherer Anleihen liegen und sich diese Diskrepanz durch die Notenbankpolitik in Zukunft eher ausweitet.

Ausblick

Der längste Bullenmarkt der Börsengeschichte ist vorbei. Gleichzeitig eröffnet dieses Umfeld für den Vermögensaufbau langfristige Chancen, denn die günstigeren Bewertungen bedeuten höhere erwartbare Renditen in den kommenden Jahren. Die Bankhaus Herzogpark AG wird diese Gelegenheit opportunistisch nutzen, um Titel zu kaufen, die in der Vergangenheit bewertungstechnisch zu teuer waren. Themen wie E-Payment und Digitalisierung bleiben ein wichtiger Baustein für die Kundenportfolien. So wurde bereits kurz nach dem Börsengang letzten Jahres in Teamviewer investiert. Das Göppinger IT-Unternehmen ist eines der wenigen „Einhörner“ im europäischen Raum, womit Startups mit einem Unternehmenswert von über eine Milliarde Euro bezeichnet werden. Über den Status eines Startups ist Teamviewer allerdings spätestens mit dem IPO hinaus und stieg deshalb Anfang 2020 direkt in den MDAX auf. Die Softwaretechnologie des Unternehmens geht weit über Remoteverbindungen zwischen Computern hinaus (bspw. für Fernwartung oder Home Office) und wird zum Beispiel weltweit von Unternehmen zur Steuerung von Produktionslinien eingesetzt. Bei unseren restlichen bestehenden Investments im Technologiebereich sind wir auch weiterhin optimistisch bezüglich der Geschäftsentwicklung.

Das Bankhaus wird auch den Konsumsektor nicht vernachlässigen. Hierbei sehen wir vor allem Adidas und LVMH in einer aussichtsreichen Position. Adidas hat eine äußerst starke operative Entwicklung speziell in Asien vollzogen und bietet im aktuellen Umfeld eine attraktive Einstiegsgelegenheit. Von LVMH erwarten wir nach dem Einbruch durch Corona eine deutliche Geschäftsbelebung, da besonders der Luxusgüterkonsum mehr zeitlich verschoben statt aufgehoben wird.

Eine weitere geplante Neuinvestition in diesem Jahr ist Alibaba, von dessen diversifiziertem Geschäftsmodell wir vollends überzeugt sind auch weiterhin am Wachstum und steigenden Wohlstand Chinas zu partizipieren.

Am Rentenmarkt erwarten wir eine zunehmende Beruhigung der Marktlage. Ist die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr absehbar, rechnen wir mit einer deutlichen Erholung der Anleihenkurse in den Kundenportfolien. Zudem machen die teils stark negativen Renditen auf Staatsanleihen die Investition in niedrig bewertete Unternehmensanleihen attraktiver. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Zentralbanken ihre Beschränkungen für Anleihenkäufe fallenlassen, um den High Yield Markt zu stützen und kriselnden Unternehmen bei der überlebenswichtigen Finanzierung zu helfen.

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