Marktbericht 2020

Marktbericht - Q2 2020

Rückblick 2. Quartal 2020

Das zweite Quartal des Börsenjahres 2020 hatte einen spiegelverkehrten Verlauf im Vergleich zum ersten Quartal. Erreichten die Aktienmärkte noch zwischen Mitte und Ende März die Talsohle - der absolute Tiefpunkt beim DAX per Schlusskurs am 18. März bei 8.441 Punkten - folgte eine kräftige und langanhaltende Rallye im gesamten zweiten Quartal. Der DAX feierte gar das dritterfolgreichste Quartal seiner Geschichte.
Hauptursachen für die positive Entwicklung der Kapitalmärkte waren anfangs der Rückgang der Neuinfektionen in China, Europa und USA, die Ankündigung staatlicher Fiskalpakete und die Unterstützungsmaßnahmen der Notenbanken. Im Verlauf des Quartals kamen nach und nach die Hoffnung auf eine „V“-förmige Erholung der globalen Wirtschaft und die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs dazu. Einmal mehr hat sich auch gezeigt wie ausgeprägt die Angst der Kapitalmarktteilnehmer ist, eine Rallye zu verpassen, wodurch sich der Trend selbst verstärkte.


Es bewies sich eine alte Börsenweisheit: die Hausse nährt die Hausse.

Der DAX schnitt auch im Vergleich zu den anderen europäischen Aktienmärkten deutlich besser ab. Die Hoffnung auf eine schnelle konjunkturelle Wende trieb den DAX mit seinen klassischen zyklischen Sektoren wie der Autobranche an. Trotz der guten Börsenentwicklung wird die deutsche Industrie allerdings erst frühestens im Jahr 2022 ihr Vorkrisenniveau erreichen. Entscheidend für die Dauer der Erholungsphase wird dabei die Verfügbarkeit eines wirksamen Impfstoffs sein. Ohne eine derartige globale Immunisierung wird eine Rückkehr in den Normalzustand unmöglich sein, wodurch Branchen wie die Luftfahrtindustrie oder die Tourismusbranche langfristig nicht überlebensfähig wären.


Wie wichtig die Politik der Zentralbanken für die Märkte ist, zeigt Chart 2. Die Bilanzsumme der amerikanischen FED ist in 2020 von rund 4 Billionen USD auf aktuell etwa 7 Billionen USD geradezu explodiert. Die Aktienmärkte nahmen die Linie der FED dankend auf, wodurch sich bspw. das Kurs-Gewinn Verhältnis des NASDAQ vom Tief im März verdoppelt hat. Eine derartige Ausweitung der Bilanz ist historisch einmalig und wurde nicht einmal in der letzten großen Finanzkrise 2008 angewandt. Dabei hat die amerikanische Notenbank nicht nur eigene Staatsanleihen gekauft, sondern erstmals auch Anleihen-ETFs. Dies ist ein absolutes Novum der geldpolitischen Unterstützung. Das die FED bei den Unternehmensanleihen auch Ramschanleihen kauft, ist da fast nur noch eine Randnotiz. Bei einzelnen ETFs gingen teils 50% der Kauftransaktionen auf das Konto der FED.

Die EZB hielt sich naturgemäß auch nicht zurück und erhöhte im Juni ihr Anleihekaufprogramm um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro. Das Programm soll nun bis mindestens Ende Juni 2021 laufen, wobei bereits das letzte Anleihenkaufprogramm vor Corona nie beendet wurde. Insofern kann man angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten innerhalb der Eurozone von einer weiteren Verlängerung ausgehen.


Die Geldpolitik bleibt also offensiv, offen ist noch die fiskalische Stützung seitens der Europäischen Union. Auf dem Verhandlungstisch steht ein Wiederaufbaupaket in Höhe von 750 Milliarden Euro, wobei noch völlig unklar ist in welcher Form die Hilfsleistungen fließen sollen. Während die südeuropäischen Staaten auf Transfers ohne Gegenleistung bestehen, pochen Staaten wie die Niederlande und Österreich auf die Gewährung von Krediten mit Bedingungen. Bundeskanzlerin Merkel hat sich zuletzt an die Seite Frankreichs gestellt und somit die alte Linie der Bundesregierung gegen Transferleistungen verlassen.


Die Rentenmärkte haben sich seit Ende März analog zu den Aktienmärkten positiv entwickelt. Die Abschläge auf Non-Investmentgrade Anleihen sind mittlerweile fast auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt, sichere Häfen wie US-Staatsanleihen erlebten eine wahre Rallye. So ist die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen von über 2,3% im Januar durch die starken Kurssteigerungen auf aktuell 1,3% gesunken. Es wird somit auch in Zukunft schwierig bleiben auskömmliche Renditen mit Anleihen zu generieren, da die Zinspolitik der Notenbanken weiter auf einem ultra-niedrigen Niveau verharren wird.

Ausblick

Die Stärke und Schnelligkeit der Markterholung im zweiten Quartal hat viele Marktteilnehmer überrascht. Das Bankhaus hat - wie im letzten Marktbericht angekündigt - die günstigen Aktienbewertungen genutzt, um Neuinvestitionen zu tätigen. Dadurch wurden Adidas, Alibaba und Microsoft im März und April in die Vermögensverwaltung aufgenommen. Alle Neuinvestitionen haben sich seitdem erfreulich positiv entwickelt.


Zu den Gewinnern der Coronakrise konnten sich auch Bestandstitel wie Amazon und Teamviewer zählen. Die geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte sorgten für einen Boom von Onlinekäufen bei Amazon und die steigende Bedeutung des Home Office begünstigte den Verkauf der nötigen Software bei Teamviewer. Angesichts der Impfstoffsuche gegen Corona ist auch die Aufstellung des Bankhauses im Pharmasektor zu erwähnen. Pfizer konnte in der Zusammenarbeit mit Biontech positive Studienergebnisse für zwei mögliche Impfstoffkandidaten vorweisen und bekam von der amerikanischen Aufsicht grünes Licht für das beschleunigte Zulassungsverfahren. Auch BB Biotech partizipiert durch die Beteiligung an Moderna von der Entwicklung eines aussichtsreichen Impfstoffs.


Am Aktienmarkt setzt sich zunehmend das „Winner takes it all“-Prinzip durch, bei dem vor allem die wachstumsstarken Unternehmen die klassischen „Value“-Aktien stark outperformen. Chart 3 veranschaulicht diese Entwicklung anhand des MSCI World Growth und MSCI World Value Index. Durch die Coronakrise ist diese Divergenz noch stärker geworden als je zuvor.

Das zweite Quartal hielt leider auch einen handfesten Börsen- und Bilanzskandal bereit. Die Wirecard AG ist das erste DAX Mitglied, welches direkt aus dem Index in die Insolvenz gerutscht ist. Nach der Meldung der vermissten 1,9 Milliarden Euro Liquidität auf Treuhandkonten in Asien hat sich das Bankhaus wegen der Insolvenzgefahr für die Liquidierung aller Positionen entschlossen, welches wenige Tage später eintrat. Auch die Rolle des Wirtschaftsprüfers wird in der aufziehenden Klagewelle untersucht werden, da es nach aktuellem Stand schwer nachvollziehbar ist wie in den letzten Jahren uneingeschränkte Testate bei den nun in der Öffentlichkeit bekanntwerdenden Sachverhalten erteilt werden konnten.


Der Ausblick für die Aktienmärkte bleibt aus Sicht des Bankhauses konstruktiv, auch wenn die Bewertungen nicht mehr so günstig sind wie noch zu Beginn des zweiten Quartals. Entsprechend wird das Bankhaus die Entwicklung des Gesamtmarkts streng beobachten und jede potentielle Neuinvestition vorsichtig bewerten. Wir sehen jedoch insgesamt langfristig keine Alternative zum Aktienmarkt, da die Renditen auf der Rentenseite deutlich niedriger liegen und nur mit hohem Risiko erkauft werden können. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft sehen wir weiter die richtige Themenwahl, sodass wir Unternehmen mit hohem Wachstumspotential favorisieren.


Am Rentenmarkt sehen wir eine leichte Verbesserung der Liquiditätssituation und sobald ein wirtschaftlicher Aufschwung im zweiten Halbjahr erkennbar ist, rechnen wir mit einer weiteren Erholung der Anleihenkurse in den Kundenportfolien. Für Neuengagements bevorzugen wir Unternehmensanleihen mit einer kurzen Restlaufzeit von 2-3 Jahren.

nach oben