Marktbericht 2021

Rückblick Q1 2021

 

Das erste Quartal des neuen Börsenjahres bildete einen deutlichen Kontrast zum Vorjahr. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Ausrufen einer weltweiten Pandemielage durch die WHO im März 2020, befinden sich die Aktienmärkte auf Rekordständen. Diese erstaunlich schnelle Aufwärtsbewegung wurde durch die Impfstoffzulassungen Ende letzten Jahres weiter angeheizt und in 2021 nahtlos fortgesetzt. Die Marschrichtung der Investoren ist klar: ein starkes Wirtschaftswachstum, ermöglicht durch die Impfung der Bevölkerungen. Der schleppende Impffortschritt in Deutschland und der EU konnte diesen prospektiven Gedanken bis dato nicht verdrängen. Die Verfügbarkeit von Impfstoffen sollte sich nach aktuellen Schätzungen im zweiten Quartal erheblich verbessern und damit die möglichst schnelle Impfung der vulnerablen Gruppen ermöglichen. Bis zum Herbst ist auch eine Impfung der jungen Bevölkerungsgruppen hierzulande realistisch.

Unterdessen sorgte die Zinsentwicklung in den USA für erhöhte Volatilität im laufenden Jahr. Die positiven Konjunkturaussichten ließen gleichzeitig die Inflationserwartungen ansteigen und sorgten für einen Abverkauf von amerikanischen Staatsanleihen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen stieg seit Beginn des Jahres um rund 80 Basispunkte, von knapp unter 1% auf etwa 1,7% (siehe Chart 2). Da Anleihen keinen inneren Inflationsschutz besitzen – im Gegensatz zu Aktien – ist diese Assetklasse bei einer Rückkehr der Inflation die denkbar schlechteste. Zusätzlich zu den direkten Inflationsängsten, kamen bei den Kapitalanlegern Fragen über den zukünftigen Umgang der amerikanischen Notenbank mit Inflation auf. Würde die FED mit einem höheren Zinsausblick reagieren, wären dies auch für den Aktienmarkt kurzfristig schlechte Nachrichten. Die FED machte daraufhin auf ihrer letzten Sitzung klar, dass sie nur einen kurzzeitigen Inflationsanstieg erwartet und entsprechend keine Zinserhöhungen vor 2023 plant. Die Geldpolitik bleibt also nach aktuellem Stand für den Aktienmarkt weiter positiv.

Der Chart 2 veranschaulicht den Renditeanstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen. Zwar sind auch die Inflationserwartungen gestiegen, allerdings nicht im selben Ausmaß. Somit fand zumindest in den USA ein deutlicher Anstieg des realen Zinsniveaus statt. Die Rendite der amerikanischen Staatsanleihen ist damit auch fast wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen.

Die positiven Konjunkturaussichten und die höheren Renditen auf Staatsanleihen führten zu einer Rotation bei Aktienanlegern. Während hoch bewertete Technologieaktien korrigierten, konnten besonders Zykliker mit Nachholpotential von dieser Rotation profitieren. Trotz der im laufenden Jahr guten Performance dieser Substanzwerte aus der Industrie, Reise- und Freizeitbranche sowie dem Bankensektor, gleicht dies nicht die jahrelange Outperformance der Technologieaktien aus. Zudem bleiben die Geschäftsmodelle der „Techies“ intakt und sind damit bestens geeignet für die langfristige Portfolioperformance. Die Rotation ist als Zeichen eines gesunden Kapitalmarkts zu sehen, womit der Börsenboom auf einer breiteren Basis steht als noch in den Vorjahren.

Ausblick

Vor einem Jahr erkannte das Bankhaus die günstige Einstiegsgelegenheit durch den starken Einbruch an den Börsen. Die Zeit der Schnäppchen ist durch die ausgiebige Erholungsphase vorbei, was allerdings kein Grund zur Besorgnis darstellt, sondern nur eine Rückkehr zur Normalität.

Die anziehende Konjunktur, unterstützt von einer weiterhin akkommodierenden Geldpolitik, bietet dem Anleger Rückenwind. In den USA wird eine Inflation von 2,4% erwartet, wobei dies kein Grund für die FED ist, von ihrer Zinspolitik abzurücken. Für Deutschland und die Eurozone liegen die Inflationsprognosen bei 2,0% und 1,5%. Im Falle Deutschlands ist die Inflation durch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung und der Einführung der CO2-Steuer verzerrt. Entsprechend sollte die Inflation in Deutschland bereits nächstes Jahr wieder deutlich unter 2,0% liegen.

Aktien besitzen – wie bereits angesprochen – einen inneren Inflationsschutz, da die Unternehmens-gewinne ebenso inflationieren. Insofern droht dem Aktienanleger durch Inflation allein, keine Gefahr. Diese angenehme Ausgangslage wird unserer Ansicht nach auch nicht durch Zinsängste langfristig gefährdet. Ein starker und schneller Zinsanstieg ist, im Gegensatz zur Inflation, grundsätzlich als Hauptgegner eines Bullenmarkts zu sehen. Die Staatsverschuldung ist weltweit durch Corona und die fiskalischen Stützungsmaßnahmen stark angestiegen. Insofern werden die Zentralbanken alles daransetzen, die Zinslast für die Schuldenaufnahme nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. In den USA entspricht beispielsweise ein Zinsanstieg von 0,5% dem jährlichen Budget der Navy.

Die USA haben gegenüber der Eurozone für 2021 deutlich bessere Wachstumsaussichten. Während sich die EU von Lockdown zu Lockdown hangelt, haben die US-Bundesstaaten bereits Anfang Februar mehrheitlich den Shutdown aufgehoben und seitdem die Restriktionen zurückgefahren.

Entsprechend der sehr dynamischen Coronasituation haben sich auch die Wachstumsprognosen der Wirtschaftsräume verändert, wie Grafik 3 zeigt. So lag die 2021-Wachstumsprognose der Ökonomen für die Eurozone letztes Jahr noch über den USA und hat sich seitdem ins Gegenteil verkehrt. Aktuell wird für die USA 2021 ein Wachstum von 5,8% erwartet, während für die Eurozone nur noch mit 4,2% kalkuliert wird. Die Prognosen für die USA wurden dabei durch den Impffortschritt angetrieben und seit Februar deutlich angehoben. Da die EU bis dato weiterhin zu langsam impft und längere starke Restriktionen im öffentlichen Leben als nötig erachtet, wird wohl auch diese Prognose eher reduziert werden. Speziell im Falle Deutschlands muss aber die Exportstimmung hervorgehoben werden, welche zuletzt durch die sehr hohe Auslandsnachfrage außerordentlich positiv und optimistisch ist. Der Export ist also bereits jetzt schon ein starker Treiber der konjunkturellen Erholung.

Das Bankhaus steht weiter zu seiner Strategie, Qualitätsunternehmen zu kaufen, welche auch langfristig ein intaktes Geschäftsmodell und positive Wachstumsaussichten besitzen. Diese Strategie, in Verbindung mit der Diversifikation über verschiedene Branchen, sehen wir als unverzichtbar für den Vermögensaufbau.

Für Anleihen stellt Inflation die größte Gefahr dar, aber zumindest in Europa ist ein starker Anstieg der Inflation auch mittelfristig unwahrscheinlich. In den USA wird ein weiterer Anstieg der Rendite auf Staatsanleihen erwartet, dort sind im Laufe des Jahres Zinsen von 2% auf 10-jährige Staatsanleihen durchaus möglich. Ähnlich wie bei den Aktien, haben sich die Kurse der Anleihen mittlerweile stark erholt, wodurch die Renditen bei Neuinvestitionen deutlich gefallen sind. Da ein Zinsanstieg in der Eurozone mittelfristig ab 2023 möglich ist, sieht das Bankhaus eine durchschnittliche Duration von vier bis fünf Jahren als optimal an.

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