Marktbericht 2021

Rückblick 2021

An die hervorragende Performance des ersten Halbjahres konnte das zweite Halbjahr 2021 leider nicht anschließen. Schlussendlich generierte das erste Quartal zum Großteil die Jahresperformance, während das Marktniveau des zweiten Quartals nicht gehalten werden konnte. Der Optimismus war noch im Herbst sehr groß, als sich erste Zeichen einer geldpolitischen Wende zeigten. Danach wurde die Dynamik am Kapitalmarkt mal wieder von Corona bestimmt. Frei nach der Devise „Sell first, ask second“ fand Ende November ein starker Abverkauf statt, als die ersten Nachrichten der Corona Variante Omikron den Weg in die Öffentlichkeit fanden.

Die neuesten Studien zum Ende des Jahres deuteten in Großbritannien und Südafrika auf eine geringere Hospitalisierungsrate im Vergleich zur Deltavariante hin. Auch in den USA gab es trotz Rekordinzidenzen hoffnungsvolle Signale hinsichtlich der Belastung des Gesundheitssystems. Detaillierte Forschungsarbeit ist allerdings zeitaufwendig, weshalb zum Jahresende keine hinreichende Klarheit herrscht bezüglich der neuen Variante. Es bleibt in jedem Fall zu hoffen, dass wir der endemischen Phase im Jahr 2022 näherkommen.

Ausblick 2022

Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwartet das Bankhaus ein weiteres positives Jahr am Aktienmarkt. Dafür sprechen die - trotz Corona - gute Konjunktur und die Inflationserwartungen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen, wodurch die Aktienanlage quasi fast alternativlos ist. Die geldpolitische Wende in den USA wird dabei den Fokus der Anleger etwas verschieben. Dividendenaktien werden voraussichtlich wieder interessanter, während hochbewertete Technologieaktien unter Druck geraten könnten. Aktien mit Kurs-Gewinn Verhältnissen von teils über 100 sind in einem derartigen Umfeld nicht mehr tragbar und wurden bereits Ende 2021 deutlich abverkauft. Günstigere Value-Aktien könnten somit profitieren.

Ein Risiko für den Aktienmarkt wäre ein Ausbrechen der Inflationsdynamik, womit eine schnellere und stärkere Straffung der Geldpolitik erforderlich wäre, welche auch den Aktienmarkt belastet. Anleger sollten sich in jedem Fall auf eine Normalisierung der Renditen einstellen.

US-Aktienstrategen prognostizieren für den S&P 500 eine Rendite von rund 6 %. Mit 2021 schloss der S&P 500 bereits das dritte Jahr in Folge höher als zum jeweiligen Jahresbeginn. Historisch gesehen wäre ein viertes Jahr in Folge im Plus grundsätzlich nicht auszuschließen, dennoch kam dies seit 1927 nur fünf Mal vor. Die Erwartungen der Anleger sind zumindest in den USA deutlich gedämpfter als in der Vergangenheit.

Da an den europäischen Börsen deutlich weniger teure Technologieaktien im Vergleich zu den USA zu finden sind, könnte dies etwas größeren Auftrieb für europäische Aktien bedeuten. Der DAX soll laut Prognosen immerhin rund 9 % Rendite erwirtschaften, als Performance Index sind hier die Dividenden bereits inkludiert. Abzüglich der erwarteten Inflation wäre das ein reales Plus von rund 6 % für den Anleger und somit ein erfreuliches Ergebnis angesichts von Strafzinsen.

Es bestehen zwar gleichwohl diverse geopolitische Risiken, wie die Konflikte um die Ukraine und Taiwan, handelspolitische Differenzen zwischen den USA und China, dennoch rechnen wir aktuell nicht mit einer gravierenden Belastung der Börse von dieser Seite.    

Klarer Verlierer bei den Anlageklassen dürften die Anleihen sein. Durch den Nullzins der letzten Jahre sind die Kupons auf einem Rekordtief bei gleichzeitig sehr langen Laufzeiten. Die hohe Inflation drückt die reale Rendite deutlich ins Minus und absehbar steigende Kapitalmarktzinsen – auch im Euroraum – führen zu Kursverlusten. Insgesamt stellt das für Anleiheinvestoren eine recht toxische Mischung dar. Erst die Rückführung der Anleihekaufprogramme der Notenbanken würde die Verzerrung der Marktpreise Schritt für Schritt beheben und damit für ein risikogerechtes Zinsniveau sorgen.

Das Bankhaus wird aufgrund der Zinsrisiken weiterhin eine niedrige Duration favorisieren. Als Alternative für Anleihen bieten sich defensive Dividendenaktien an, die deutlich höhere und auch regelmäßige Ausschüttungen vorweisen können.   

Das Thema Nachhaltigkeit und ESG-Risiken wird bei langfristigen Investitionsentscheidungen immer wichtiger. Daher hat das Bankhaus beschlossen, dieses Thema ab dem Jahr 2022 zu einem integralen Bestandteil des Investmentprozesses und der Vermögensverwaltung zu machen. 

ESG ist das Akronym für Environmental Social Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmens-führung). Eine negative Entwicklung von ESG-Faktoren bei einem Unternehmen, bspw. verursacht durch einen Korruptionsskandal, die Ausbeutung von Arbeitskräften oder eine schlechte Umweltbilanz, können zu Kursabschlägen führen, weshalb Unternehmen hinsichtlich dieses ESG-Risikos evaluiert werden müssen. Für diese Risikobewertung greift das Bankhaus auf die Dienste des globalen Marktführers MSCI zurück.

Unternehmen mit zu hohem ESG-Risiko fallen damit aus unserem Anlageuniversum heraus, bis das Unternehmensmanagement adäquate Maßnahmen ergreift, um das ESG-Risiko nachhaltig zu minimieren. Dieses Schicksal könnte auch bestehende Positionen in der Vermögensverwaltung treffen, wenn sich das ESG-Rating eines Titels soweit verschlechtert, sodass es verkauft werden muss. Neben der individuellen Betrachtung bei Einzelaktien ist das ESG-Risiko des Gesamtportfolios für uns von entscheidender Bedeutung.

Das Bankhaus hat sich als Ziel ein Portfolio Rating von mindestens BBB gesetzt. Zur Veranschaulichung: unsere Vermögensverwaltungsstrategien haben bereits ein MSCI-ESG-Rating von A (wachstumsorientiert – max. 60 % Aktien bzw. Albatros) und AA (chancenorientiert – max. 100 % Aktien bzw. Albatros Dynamic).

Die nachhaltige Transformation bringt aber auch wieder interessante Anlagechancen mit sich und wir haben bereits einige vielversprechende Investitionsmöglichkeiten im Auge.

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