Marktbericht 2021

Rückblick 1. HJ 2021

Das zweite Quartal 2021 blieb für Investor*innen am Kapitalmarkt erfreulich und sorgte somit für ein rundum positives erstes Halbjahr. Die Stimmung war hauptsächlich geprägt durch Konjunkturoptimismus und damit einhergehende Inflationsängste. Die globalen Konjunkturindikatoren stiegen im zweiten Quartal durchweg an und spiegelten die wirtschaftliche Erholung, speziell im produzierenden Gewerbe, wider. Durch die bessere Verfügbarkeit von Corona Impfstoffen konnten die europäischen Staaten ihre "Impflücke" gegenüber Großbritannien und den USA schließen. Der Impffortschritt und die positiv berichtete Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe, auch bei verschiedenen Virusmutationen, sorgten für deutliche Entspannung in Bezug auf den weiteren Verlauf der Pandemie. Trotzdem bleibt Corona derzeit weiterhin der größte Risikofaktor für den Kapitalmarkt.

Die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft zeigen sich aktuell am deutlichsten bei den Lieferketten. Viele Unternehmen klagen über die schlechte Verfügbarkeit von dringend nötigen Vorprodukten und reagieren entsprechend mit Produktionskürzungen. In der deutschen Autoindustrie musste wegen Chipmangels zeitweise die Produktion ausgesetzt und die Belegschaft in die Kurzarbeit geschickt werden. Derlei Probleme im Welthandel zeigen auch dieses Jahr die Anfälligkeit der globalen Warenwirtschaft in Stresssituationen. Die Frachtkosten haben sich innerhalb eines Jahres vervierfacht und stürzen die Lieferketten, aufgrund eines Mangels an Frachtcontainern, in zusätzliches Chaos. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält die Frachtkosten gar für „zunehmend unkalkulierbar“. Da 90% aller Industrie- und Konsumgüter per Seefracht transportiert werden, könnte dies die Inflation weiter anheizen. Der Druck auf die Endpreise dürfte wohl bis Ende des Jahres anhalten. Sowohl die US- als auch die Europäische Zentralbank erachten die aktuell höhere Inflation als vorübergehend.

Die Einkaufsmanagerindizes (siehe Chart 2) spiegeln die wirtschaftliche Erholung deutlich wider. Nach starkem Anstieg zu Beginn des Jahres, stabilisierten sich die Indizes auf hohem Niveau und blicken damit optimistisch auf die kommenden Quartale. Ökonomen rechnen nicht mit einer weiteren Verbesserung der makroökonomischen Rahmenbedingungen, sondern mit einer Normalisierung des Wirtschaftswachstums in die post-pandemische Ära.

An den Anleihemärkten war von übermäßiger Inflationsgefahr im zweiten Quartal wenig zu spüren, denn die Zinsen auf Staatsanleihen gaben besonders im Juni stark nach. Davon konnten speziell die teuren Tech-Aktien des NASDAQ profitieren. Auch wenn die Aktienmärkte allgemein nicht so stark zulegen konnten wie im ersten Quartal, zeigten sich die Kurse mit starker technischer Unterstützung. Kurzzeitige größere Kursrückgänge bei den Indizes wurden innerhalb weniger Tage als Einstiegsgelegenheit genutzt - „Buy the Dip“ gilt weiter als Devise.

Chart 3 veranschaulicht die Divergenz in der Rendite von Wachstumsaktien und Value-Aktien bis dato. Diese Lücke wurde zuletzt durch den Kursanstieg der wachstumsstarken Technologieunternehmen deutlich verkleinert. Für Anleger*innen zeigt dies exemplarisch wie kurzlebig Trends an den Börsen sein können und wie wichtig deshalb eine gesunde Mischung des Portfolios ist. Auch im Anleihenbereich war der Jahresverlauf bisher erfreulich. Die wirtschaftliche Erholung führte zur signifikanten Einengung bei den Spreads risikoreicher Anleihen und damit zu deutlichen Kursgewinnen.  

Ausblick

Das Bankhaus erwartet im Jahresverlauf eine weiterhin positive Performance. Eine starke Kursrallye wie im zweiten Halbjahr 2020 ist nicht wahrscheinlich, da die Bewertungen seitdem deutlich angestiegen sind. Schnäppchen gibt es nicht mehr und somit werden sich die Renditen weiter normalisieren. Das Gesamtbild bleibt allerdings positiv: die wirtschaftliche Erholung ist in vollem Gange und die Impfungen werden auch in den Entwicklungsländern deutlich fortschreiten. Stand Juni wurde bereits 25% der Weltbevölkerung mindestens eine Impfdosis verabreicht. Damit wird auch in den Schwellenländern der Weg für die wirtschaftliche Expansion frei.

Wie bereits angesprochen, bleiben als Anlagerisiken aktuell das Coronavirus und die Inflation bestehen. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten verheerenden Ausbruchs neuer Coronavarianten halten wir aufgrund des Impffortschritts allerdings eher für gering. Deswegen sehen die professionellen Investoren am Markt die größere Unbekannte auf Seiten der Inflationsentwicklung. Stellt sich die Teuerung als nur temporäre Begleiterscheinung heraus, würde dies dem aktuellen Konsens entsprechen und keine Gefahr darstellen. Ein dauerhafter deutlicher Inflationsanstieg hingegen würde den Fokus auf die Zentralbanken richten und Zweifel an ihrer Geldpolitik wecken. Werden aktuell noch die ersten Zinsanhebungen in den USA erst 2023 erwartet, könnte dann eine zeitigere Straffung bereits 2022 nötig sein. Trotzdem wird sich auch die FED davor hüten mehrere Zinsschritte innerhalb zu kurzer Zeit vorzunehmen, um keine Turbulenzen am Kapitalmarkt zu provozieren.

Der Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes wird somit, auch unter optimalen ökonomischen Rahmenbedingungen, nur langsam vonstattengehen. Nachdem zuletzt die Renditen auf Staatsanleihen deutlich gesunken sind, wird bis Jahresende wieder ein höheres Niveau erwartet. Durch den „Inflations- und Zinstango“ wird in der zweiten Jahreshälfte die Volatilität an den Aktien- und Anleihenmärkten voraussichtlich zeitweise zunehmen, aber den Markt insgesamt nicht gefährden. Da bis dato die chinesischen Börsen den europäischen und amerikanischen Konkurrenten deutlich hinterherhinken, könnte dort die größte Chance auf überdurchschnittliche Renditen liegen. Trotz der neuen regulatorischen Härte der chinesischen Regierung, ist das Bankhaus weiterhin vom dortigen Markt als langfristiger Renditebringer überzeugt.  

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