Marktbericht 2019

Marktbericht - Rückblick 2018 & Ausblick 2019

Rückblick 2018

Das Jahr 2018 war für Investoren weltweit ein äußerst herausforderndes Jahr und letztendlich das schlechteste seit der Finanzkrise 2008. Konnten die Börsen zu Beginn des Jahres noch neue Rekordhochs erklimmen, folgte im Februar bereits eine deutliche Korrektur nach unten. Der S&P500 konnte bis dahin die längste Periode seiner Geschichte ohne eine 5%-Korrektur verzeichnen. Hauptauslöser der scharfen Korrektur (durchschnittlich -10% bei allen globalen Aktienindizes) waren die Sorgen vor einer stärker als erwarteten restriktiven Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank, verursacht durch den geldpolitischen Druck wegen der sinkenden Arbeitslosenquote und gleichzeitig steigender Inflation. Während der DAX sich seitdem nicht mehr erholen konnte und das Jahr 2018 mit einem Minus von 18% beendete, erreichten die amerikanischen Märkte nach einer starken Erholung ihr historisches Allzeithoch im September und Oktober des Jahres.
Als viele Investoren auf eine (normalerweise typische) Jahresendrallye hofften, wurden diese Hoffnungen spätestens mit der Notenbanksitzung der Fed Mitte Dezember zerstört. Diese erhöhte im Dezember zum vierten Mal in 2018 die Zinsen und wich trotz sich abzeichnender Probleme für die Weltkonjunktur von ihrem Kursplan nicht ab, in 2019 zwei weitere Zinserhöhungen folgen zu lassen und fällig werdende Anleihen nicht zu verlängern. Der S&P Index verlor so allein im Dezember neun Prozent und verzeichnete damit den schlechtesten Monat seit der Weltwirtschaftskrise 1931.

Als äußerst belastend für den deutschen und europäischen Aktienmarkt erwiesen sich zudem drei große politische Risiken: der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt, die Brexit Verhandlungen und die ausufernde Schuldenpolitik der neuen Links-Rechts-Regierung in Italien. Aufgrund der großen Bedeutung des Exports für die Wirtschaft bereitet den deutschen Unternehmen der Handelskonflikt besonders große Sorgen. Immerhin knapp die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts (47,2% Stand 2017) geht auf den Export zurück. Damit liegt Deutschland noch weit vor China (19,8%), Japan (18,5%) und den USA (12,4%). Eine Eskalation des Handelskonflikts in Form von Zöllen und entsprechend einem Anstieg der außenwirtschaftlichen Risiken und einer Abkühlung des chinesischen Konsums würde die exportlastigen deutschen Unternehmen hart treffen. Durch die sinkende Zuversicht in die globale Konjunktur sanken im Verlauf des Jahres der deutsche und europäische Einkaufsmanagerindex und mehrere große Unternehmen senkten zum Jahresende ihre Gewinn- und Umsatzprognosen. Dies führte teilweise zu extremen Kursverlusten bei den jeweiligen Aktienwerten.

Aufgrund der genannten Probleme in der Eurozone gewann der US-Dollar gegenüber dem Euro knapp fünf Prozent. Der auch gegenüber anderen Währungen steigende Dollar belastete spätestens ab Mitte 2018 auch die Schwellenländer. Staaten mit hoher Dollarverschuldung in Verbindung mit schlechter Wirtschaftspolitik (Türkei & Argentinien) werteten ihre Währungen stark ab. So wertete die türkische Lira allein zwischen Anfang Juli und Mitte August um 35% gegenüber dem USD ab, der argentinische Peso verlor zwischen April und Oktober gar 51% an Wert. Entsprechend wurden die Börsen in den Emerging Markets in Mitleidenschaft gezogen.

Besonders in China hat sich das Wachstum durch den Handelskonflikt mit den USA verlangsamt. So ist das chinesische Importwachstum von 37% im Januar auf 3% im November auf Jahresbasis zusammengeschrumpft. Dies erklärt sich vor allem aus der Zurückhaltung der chinesischen Verbraucher angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Auch die Automobilbranche bekam den Gegenwind zu spüren. Der PKW-Absatz fiel 2018 um 3%, der erste Rückgang seit zwei Jahrzehnten! Neben dem Rückgang im Privatkonsum sank auch das Wachstum in der Industrieproduktion. Der chinesische Aktienindex fiel vom Hoch im Januar zwischenzeitlich um 25% und damit offiziell in den Bärenmarkt (von einem Bärenmarkt spricht man, wenn der Index von seinem erreichten Hoch mindestens 20 % abgibt). Die chinesische Führung will die Wirtschaft sowohl monetär als auch fiskalisch stimulieren. So wurden bereits Steuersenkungen für Haushalte und Unternehmen angekündigt, während die Notenbank durch monetäre Maßnahmen die Finanzierungskosten für Firmen senkt.
Im Rentenbereich stieg die Volatilität ebenfalls stark an und die Verunsicherung sorgte auch hier für teils heftige Kursverluste. So verzeichnete der viel beachtete Barclays Global Aggregate als Maßstab für globale Unternehmensanleihen mit Investmentgrade ein Minus von 1,2% (in EUR). Der US-High Yield Index verlor sogar 2,3% (in USD) und zeigt die zunehmende Problematik von hoher Unternehmensverschuldung in einem Umfeld abnehmender Liquidität im Markt auf. Einzig amerikanische und verschiedene europäische Staatsanleihen konnten ein Kursplus in 2018 erreichen.
Zu einer Abwertung der Unternehmensanleihen mit niedriger Bonität kam es in den Depots auch durch eine Ausweitung der Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs), der teilweise auf drei Prozent anzog. Da wir in unseren Depots immer den Verkaufskurs anzeigen, führte allein die Spreadausweitung zu Buchkursverlusten von 1,5 Prozent. In normalen Zeiten liegen die Spreads in der Regel deutlich unter einem Prozent.

Ausblick 2019

Nach der längsten Aufwärtsbewegung der Börsengeschichte ist es im 10. Jahr zu massiven Gewinnmitnahmen gekommen. Wir haben zwar die zuvor beschriebenen Probleme gesehen, letztendlich hat uns jedoch die Geschwindigkeit und auch die hohen Verluste im Dezember überrascht. War der Optimismus zum Jahreswechsel 2017/18 noch grenzenlos, haben wir es nun mit einer umgekehrten Situation zu tun. Viele Analysten und Investoren sind für die weitere Börsenentwicklung in 2019 sehr vorsichtig geworden. Da wir jedoch trotz der zuvor beschriebenen (und bislang ungelösten) Belastungsfaktoren keine Rezession für 2019 erwarten, könnte das Börsenjahr 2019 besser werden als allgemein erwartet. Viele Belastungsfaktoren wurden 2018 schon in den Kursen berücksichtigt und könnten bei einer Lösung die Börsen auch schnell wieder nach oben treiben. Zudem hat die Bewertung des Aktienmarktes (u.a. abzulesen am Kurs-Gewinn-Verhältnis) wieder ein attraktives Niveau deutlich unter dem langfristigen historischen Durchschnitt erreicht.

Wir werden unsere Strategie am Aktienmarkt in 2019 in der Art anpassen, indem wir nicht-zyklische Werte aus den Bereichen Konsum, Pharma, Medizintechnik und Lebensmittel etwas stärker gewichten. Dennoch wollen wir interessante Zukunftsbranchen wie z.B. soziale Medien, bargeldloses Bezahlen (Wirecard), IT-Sicherheit sowie Robotics und Digitalisierung nicht vernachlässigen. Mit diesem Mix aus defensiven und zukunftsorientierten Branchen erwarten wir unter weiterhin starken Schwankungen eine positive Aktienperformance in 2019.
Beim Rentenmarkt können wir uns nach der viermaligen Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank vorstellen, dass der Zinserhöhungszyklus in 2019 schon wieder ausläuft bzw. die angekündigten zwei weiteren Zinserhöhungen gar nicht mehr stattfinden. Bei der europäischen Zentralbank lief zwar Ende 2018 das Anleihekaufprogramm aus, wir erwarten jedoch zumindest im ersten Halbjahr keine Zinsanhebungen in Europa.  Sollten sich die Konjunkturerwartungen in 2019 stabilisieren, sehen wir bei diversen Unternehmensanleihen halbwegs attraktive Renditen. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen beträgt daher maximal vier Jahre. Allein durch eine mögliche Einengung der Spreads rechnen wir bei gleichbleibenden Renditen mit zusätzlichen Kursgewinnen.

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