Marktbericht 2019

Marktbericht - Q4/2019

Rückblick 2019

Entgegen den Erwartungen der meisten Analysten war das Jahr 2019 ein sehr erfreuliches und erfolgreiches Börsenjahr. Sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen wurden überdurchschnittliche Kursgewinne erzielt. So legte der breite MSCI World Aktienindex 2019 in Euro gerechnet um 27,7% zu und beendete damit nicht nur ein sehr erfolgreiches Aktienjahr, sondern auch ein positives Aktienjahrzehnt.

Investoren hätten zum Jahreswechsel einen gravierenden Fehler gemacht, wenn sie nach dem heftigen Börseneinbruch Ende 2018 aus dem Kapitalmarkt ausgestiegen wären. Nachdem die Aktienmärkte die ersten Handelstage des neuen Jahres noch schwächer tendierten, drehten die Märkte danach deutlich ins Plus. Hauptursache war insbesondere die unerwartete neue Ausrichtung der amerikanischen Notenbank FED. Hatte diese die Märkte noch im Dezember mit ihrer vierten Zinsanhebung in 2018 verschreckt (und dabei zwei weitere für 2019 angekündigt), änderte sich die Ausrichtung von Fed-Chef Jerome Powell auf „patient“ (geduldig). Damit war klar, dass vorerst keine weiteren Zinsanhebungen folgen würden. Im Gegenteil: In 2019 senkte die Fed sogar dreimal den Leitzins auf eine Spanne von 1,5-1,75%. Als Folge rückten der ungelöste Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China und auch die deutlich schwächelnde Weltkonjunktur in den Hintergrund.


Erst in der zweiten Jahreshälfte gelang es den USA und China nach vielen Drohungen, Zollanhebungen und Gegenmaßnahmen einen sogenannten „Phase Eins Deal“ zu vereinbaren, welcher im Januar 2020 offiziell von beiden Staaten unterschrieben werden soll. Dass dieser deutlich weniger beinhaltete, als es US-Präsident Trump in seiner Euphorie vorher angekündigt hatte („wir werden China in die Knie zwingen“), interessierte die Investoren kaum noch. Sie waren am Ende einfach nur erleichtert, dass der Handelskonflikt zunächst nicht weiter eskalierte.


Mit der Wahl im Dezember, als Boris Johnson mit seiner Partei die absolute Mehrheit in Großbritannien gelang, wurde eine weitere Unsicherheit aus den Kapitalmärkten genommen. Johnson sollte es mit diesem Wahlergebnis nun deutlich leichter fallen, einen Vertrag mit der EU abzuschließen.

Der dritte Faktor, der besonders die deutsche Börse belastete, war die Angst vor einer Rezession. Der Handelsstreit zwischen China und den USA wirkte sich auch tatsächlich negativ auf die Konjunktur aus. So gab es in Deutschland ein Quartal mit negativem Wachstum und das Land schrammte dabei knapp an einer Rezession vorbei. Ende des Jahres herrschte zwar wieder mehr Konjunkturoptimismus, was auch die Bodenbildung des ifo-Geschäftsklima-Index deutlich wurde. Dennoch hat das produzierende Gewerbe in Deutschland die Talsohle laut Ökonomen noch nicht durchschritten.

Ein sicherlich unterstützender Faktor für die steigenden Aktienkurse waren stark zunehmende Aktienrückkäufe der Unternehmen in den USA. Viele US-Firmen nutzten hierzu auch das niedrige Zinsniveau um mit günstigem Fremdkapital den Kauf eigener Aktien zu finanzieren. So hat sich zum Beispiel die Anzahl der ausstehenden Aktien von Apple seit 2013 um 32% reduziert. Besonders signifikant waren bei Apple die angekündigten Rückkaufprogramme in Höhe von insgesamt 175 Mrd. USD seit Mai 2018.

Ausblick

Nach so einem starken Kursanstieg neigen Investoren häufig zu Gewinnmitnahmen. Dennoch lässt sich statistisch nicht beweisen, dass nach einem starken Aktienjahr ein schwaches folgt bzw. die Aktienkurse ein Jahr später wieder deutlich zurückkommen. Obwohl die Bewertungen durch den Kursanstieg deutlich gestiegen sind (die Gewinne sind in 2019 nicht entsprechend den Aktienkursen gestiegen), erwarten wir auf der Aktienseite eine positive Rendite. Diese wird durch die hohen Bewertungen allerdings nicht so überdurchschnittlich hoch ausfallen wie 2019. Entscheidend ist das weiter niedrige Zinsniveau der Notenbanken, wodurch Staatsanleihen und risikoarme Rentenpapiere mit negativer Realrendite kaum eine Anlagealternative darstellen. Somit bleibt eigentlich nur die Aktienanlage. Viele Unternehmen zahlen attraktive Dividenden und sind im langfristigen Vergleich immer noch moderat bewertet.

Wichtig dürfte in 2020 auch der Wahlkampf in den USA werden. Präsident Trump wird alles tun um seine Wähler bei Laune zu halten und diese weder mit Politischen noch mit wirtschaftlichen Störungen zu verschrecken. Risiken könnten von dieser Seite eher für 2021 anstehen, falls ein linksgerichteter Präsident oder Präsidentin eine Politik entgegen dem amerikanischen Wirtschaftsliberalismus umsetzt. Ebenso könnte ein wiedergewählter Präsident Trump, der sich dann keine Gedanken mehr um seine Wiederwahl machen muss, den Handelskonflikt mit China nochmals verschärfen bzw. sogar gegen die EU neu eröffnen. Diese möglichen Störfaktoren sehen wir jedoch frühestens Ende 2020.


Neben unserer weiterhin starken Positionierung im Technologiebereich wollen wir auch unser Engagement im Bereich der Umwelt- und Medizintechnik beibehalten und mittelfristig ausbauen. Zudem wird durch die Beimischung von wachstumsdynamischen Unternehmen aus der Konsum-, Bau- und Infrastrukturbranche auch die Ausschüttungskomponente im Portfolio bedient.


Wie bereits vorher beschrieben, rentieren in Deutschland alle Bundesanleihen mit bis zu 30 Jahren Laufzeit negativ. Für das „Privileg“ in Bundesanleihen anzulegen muss der Anleger also Geld bezahlen. Eine Situation die in allen volkswirtschaftlichen Lehren der Vergangenheit undenkbar war. Trotz des schon niedrigen Zinsniveaus Ende 2018 fielen die Zinsen weiter und in einigen Anlageklassen (insbesondere bei bonitätsschwachen Papieren) kam es zu unerwartet deutlichen Kursgewinnen. Geholfen hat dabei auch die Kehrtwende der EZB, die im Herbst entgegen der Erwartungen der Marktteilnehmer Ende 2018 die Zinsen erneut senkte. Mario Draghi, dessen Amtszeit im November endete, ist damit der erste EZB-Präsident, der in seiner achtjährigen Amtszeit nicht ein einziges Mal die Zinsen erhöht hat. Seine Nachfolgerin, Christine Lagarde, wird an diesem Weg der expansiven Geldpolitik ebenfalls wenig ändern.

Somit lässt sich am Anleihenmarkt nur mit einem aktiven Management der Laufzeiten und Risiken eine positive Rendite zu erzielen.


Dazu zählen auch Anlagen im US-Dollar. Diese ermöglichen auch bei guten Schuldnern positive Renditen, allerdings mit Währungsrisiko (-chance). Durch aktives Durations Management glauben wir weiterhin positive Erträge über den Kupon hinaus erzielen zu können.

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