Marktbericht 2019

Marktbericht - Q3/2019

Aktienmarkt

Am Ende des dritten Quartals notierten die Aktienmärkte im Vergleich zum Vorquartal praktisch unverändert. Dabei gewann der Dow Jones Index leicht hinzu, während der DAX und der EuroStoxx50 stagnierten. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich weltweit die Konjunktur weiter abschwächt. So sind die Einkaufmanagerindizes vieler Volkswirtschaften unter die kritische Marke von 50 gefallen und signalisieren damit eine nahende Rezession (vgl. Chart 1). Diese Tendenz wird vom viel beachteten Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Deutschland bestätigt, der zuletzt nur noch bei 94,6 notierte. Wie man dem beigefügten Chart 2 entnehmen kann, stand das Barometer, das die Stimmung bei den Unternehmern misst, noch Anfang des Jahres nahe 100.

Damit belastet der von der US-Regierung unter Donald Trump angefachte Handelsstreit mit China nun immer mehr die Weltkonjunktur. So kam im August es nach verbalen Attacken von Trump in Richtung der chinesischen Regierung zu heftigen Kursverlusten. Erst auf dem G20-Treffen Ende August in Biarritz gelang es dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron durch diplomatisches Geschick die Wogen wieder zu glätten. Dies stabilisierte dann auch die Aktienmärkte wieder.

Als dann im September sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die amerikanische Fed die Zinsen senkten, wurde der sonst als Crashmonat gefürchtete Monat sogar ein freundlicher Börsenmonat.

Nachdem die Aktienmärkte seit Anfang des Jahres deutlich zulegen konnten (MSCI Welt plus 22,3% in EUR, siehe Chart 3), stellt sich nun die Frage nach der Entwicklung im vierten Quartal. Im Vorjahr brachte das Schlussquartal deutliche Verluste an den Kapitalmärkten. Dabei hängt viel von der weiteren Entwicklung der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China bzw. auch zwischen den USA und Europa ab. Bei der Beantwortung dieser Frage sollte man auch immer daran denken, dass im kommenden Jahr Präsidentschaftswahlen in den USA stattfinden und Präsident Trump, der seine Wiederwahl anstrebt, nun langsam eine handfeste Einigung mit China braucht, um die Weltkonjunktur und damit die Kapitalmärkte nicht weiter zu gefährden. Ebenso hoffen wir, dass es im Brexit Chaos entweder zu einer Verschiebung des Termins am 31. Oktober kommt oder aber die EU und Großbritannien sich doch noch auf ein Abkommen einigen können.


Positiv sehen wir auch die Unterstützung der großen Notenbanken. Sowohl die EZB als auch die FED haben ihre Bereitschaft signalisiert, bei Bedarf die Konjunktur mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen zu unterstützen. Die Geldpolitik ist dabei leichter einzuschätzen als die extreme und auf Konfrontation ausgerichtete Politik von Donald Trump und Boris Johnson. 

Rentenmarkt

Am 12. September hat die Europäische Zentralbank EZB eine wichtige Weichenstellung vorgenommen und den Einlagensatz für Banken um weitere 10 Basispunkte auf minus 0,5 % gesenkt. Zusätzlich werden wieder ab dem 1. November monatlich 20 Milliarden Euro in neue Anleihekäufe investiert werden. Dabei war das Anleihekaufprogramm erst im Dezember letzten Jahres ausgelaufen. Die für das Ende der Amtszeit von Mario Draghi im Herbst 2019 erwartete Zinserhöhung ist damit durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik abgelöst worden. Draghi ist damit der erste EZB-Präsident, in dessen Amtszeit nur Zinssenkungen bzw. nur geldpolitische Lockerungen wie z.B. Anleihekäufe stattgefunden haben. Was diese aggressive Notenbankpolitik im Endeffekt bewirkt hat, ist bis heute nicht eindeutig zu beurteilen. Draghi hat mit seiner „What ever it takes-Politik“ seit 2012 die Existenz des Euro in seiner bisher schwersten Krise (vorerst?) gesichert. Die Ziele, der Konjunktur Impulse zu verleihen und dabei eine Inflationsrate von 2 % zu erreichen, wurden teilweise verfehlt. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone hängt seit Jahren dem amerikanischen weit hinterher. Dies gilt auch insbesondere für den Arbeitsmarkt, wo die gute US-Konjunktur in über 100 Monaten in Folge neue Stellen schaffen konnte. Aufgrund der Geldpolitik rentieren nun sämtliche Laufzeiten der Bundesanleihen (bis zu 30 Jahren) im negativen Bereich. Mit anderen Worten: Wer dem Staat Deutschland Geld leiht, muss dafür Zinsen bezahlen. Ein Szenario, das vor einigen Jahren noch völlig undenkbar gewesen wäre.

Fazit

Wir sind optimistisch, dass sich im vierten Quartal Lösungen für die Themen Brexit und Handelskrieg abzeichnen und damit die Weltkonjunktur wieder stimuliert wird.

nach oben